1# Die Angst sitzt mit am Tisch

Vielleicht ging es nie um das Essen.

Heute war ich bei meinem Psychologen.

Und zum ersten Mal seit langer Zeit hat sich etwas nicht verwirrend, sondern klar angefühlt.

Ich dachte jahrelang, ich hätte Probleme mit dem Essen.

Aber nicht wegen Gewicht. Nicht wegen Kalorien. Nicht wegen Kontrolle über meine Körper.

Sondern wegen dieser einen Angst.

Diese Angst fühlt sich nicht laut an. Sie ist nicht hysterisch. Sie ist leise.

Der Angst, dass ich eine allergische Reaktion bekomme. Dass sich mein Hals zuschnürt. Dass ich keine Luft bekomme. Und es vielleicht zu spät merke.

Aber sie sitzt mit am Tisch.

Bei jedem Bissen.

Kennst du das?

Dass dein Kopf Szenarien malt, während alle anderen einfach essen?

Dass du kaust- aber gleichzeitig scannst? Deinen Körper. Deinen Hals. Deinen Atem.

Ist da ein Kribbeln? War das schon immer so? Schlucke ich normal? Atme ich anders?

Ich habe so lange gedacht, ich hätte Angst vor dem Essen selbst.

Aber vielleicht hatte ich Angst vor Kontrollverlust.

Vor dem Moment, in dem mein Körper etwas tut, das ich nicht mehr steuern kann.

Vielleicht war das der Punkt, an dem meine Therapie immer hängen blieb.

Weil wir über das Essen gesprochen haben. Aber nicht über das Sterben.

Nicht über diese tiefe, stille Panik, keine Luft zu bekommen. Nicht rechtzeitig zu merken, dass etwas nicht stimmt.

Kein Wunder, dass ich das Gefühl hatte, auf der Stelle zu treten.

Ich habe den Therapeuten gewechselt. Und plötzlich fühlt sich alles weniger falsch an.

Die Aufs. Die Abs.

Die extremen Panikattacken.

Vielleicht waren sie nie unlogisch. Vielleicht wurden sie nur falsch verstanden.

Und vielleicht kennst du dieses Gefühl auch.

Dass du dich fragst:

„Warum komme ich nicht weiter?“ „Warum hilft das alles nicht?“ „Wird es wieder normal?“

Und vielleicht liegt es nicht daran, dass du dich nicht genug bemühst.

Vielleicht wurde einfach noch nicht die richtige Angst benannt.

Heute habe ich gemerkt, es geht nicht um Essen.

Es geht um Sicherheit. Um Vertrauen. Um die Angst, die Kontrolle über den eigenen Körper zu verlieren.

Und das auszusprechen fühlt sich zum ersten Mal ehrlich an.

Vielleicht ist das kein Durchbruch. Vielleicht ist es nur ein Anfang.

Aber ich gehe ihn.

Und wenn du beim Lesen merkst, dass dein Herz ein bisschen schneller schlägt, weil du dich erkennst.

Du bist nicht verrückt.

Du bist nicht überempfindlich.

Du hast Angst.

Und Angst will verstanden werden. Nicht weggedrückt.

Ich bleibe dran. Und ich bleibe hier.

-wenn die stille laut wird

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