6# Wenn der Hals kratzt- und die Angst plötzlich wieder da ist

Ich bin erkältet.

Nichts Dramatisch. Der Hals ist rau, ein bisschen kratzig. Eigentlich etwas, das man einordnet unter: unangenehm, aber harmlos.

Und trotzdem fühlt sich alles anders an.

Den ganzen Tag über schaffe ich es kaum, etwas zu essen. Nicht, weil ich keinen Hunger hätte. Sondern weil mein Hals sich „komisch“ anfühlt. Nicht richtig schlimm. Aber auch nicht normal.

Dieses komische Gefühl bekommt Raum. Mehr Raum, als es sollte.

Abends bin ich extrem gestresst. Nicht nur, weil ich krank bin- sondern weil ich den ganzen Tag kaum etwas gegessen habe.

Mein Körper ist erschöpft. Unterzuckert. Angespannt

Ich möchte einfach nur essen. Aber sobald es dunkel wird, wird es noch schwerer.

Als würde die Dunkelheit alles verstärken.

Ich koche mir etwas, das ich eigentlich gerne esse. Etwas Sicheres. Etwas Vertrautes.

Doch ich esse gestresst. Mein Hals fühlt sich fremd an. Trocken. Eng. Anders.

Und die Anspannung sitzt die ganze Zeit mit am Tisch.

Dieser Moment.

Nach dem Essen lege ich mich aufs Sofa. Mein Hals ist trocken. Ich schlucke.

Und plötzlich fühlt es sich anders an.

Nicht schlimmer. Nicht schmerzhaft. Nur anders.

Und da ist sie.

Die Panik.

Ich habe das Gefühl, keine Luft zu bekommen. Gehe zum Spiegel. Mache den Mund auf. Schaue in meinen Hals.

Alles sieht aus wie immer.

Und trotzdem fühlt es sich nicht so an.

Die Panik bleibt ein paar Minuten. Intensiv. Laut. Überzeugend.

Und dann- verschwindet sie von jetzt auf gleich.

Als wäre nichts gewesen.

Nur die Anspannung bleibt.

Warum gerade Essen?

Ich frage mich, warum das Thema Essen so präsent ist. Warum genau dort die Angst sitzt. Warum genau dort die Panik entsteht, keine Luft mehr zu bekommen.

Schlucken ist etwas so Automatisches. Etwas, das wir nie bewusst wahrnehmen.

Bis wir es plötzlich tun.

Und sobald Aufmerksamkeit darauf liegt, fühlt sich alles fremd an.

Vor wenigen Tagen schien es doch noch bergauf zu gehen. Ich habe mich frei gefühlt. Nicht so panisch wie sonst.

Leichter.

Und dann ist sie wieder da. Als wäre sie nie weg gewesen.

Vielleicht ist Heilung kein gerader Weg.

Vielleicht bedeutet „bergauf gehen“ nicht, dass die Angst nie wieder kommt.

Vielleicht bedeutet es nur, dass man inzwischen weiß:

Sie geht auch wieder.

Auch wenn sie sich in dem Moment absolut echt anfühlt. Auch wenn der Körper Alarm schlägt. Auch wenn der Hals trocken ist und alles eng wirkt.

Vielleicht ist es kein Rückschritt. Sondern einfach ein sensibler Körper. Ein gestresste Nervensystem. Ein Tag mit zu wenig Essen. Eine Erkältung, die alles verstärkt.

Und ein Kopf, der versucht, Kontrolle zu behalten.

Wenn du das liest und dich wiedererkennst: Du bist nicht verrückt. Und du bist nicht allein.

Manchmal ist es nicht der Hals, der eng ist.

Sondern das Nervensystem, das gerade zu viel trägt.

Und vielleicht darf man sich dann einfach sagen:

Es ist nur eine Welle. Und ich habe schon andere Wellen überstanden.

-wenn die stille laut wird

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