8# Wenn Essen Angst macht- und keiner darüber spricht

Heute möchte ich etwas aussprechen, dass ich lange selbst kaum greifen konnte.

Ich leide unter extremer Essenpanik. Aber nicht, weil ich eine klassische Essstörung habe. Nicht, weil ich abnehmen will. Nicht, weil ich meinen Körper ablehne.

Ich habe Angst, zu ersticken.

Ich habe eine massive Angst entwickelt, auf ein Lebensmittel allergisch zu reagieren- und daran zu ersticken.

Wenn ich das so schreibe, klingt es selbst für mich manchmal unrealistisch. Schließlich habe ich die meisten dieser Lebensmittel früher ganz normal gegessen. An guten Tagen weiß ich das auch. An guten Tagen kann ich klar unterscheiden zwischen Realität und Angst.

Aber an schlechten Tagen fühlt sich die Angst echter an als jede Logik.

Wenn Angst stärker ist als Logik.

Unterbewusst beginne ich dann, Lebensmittel zu vermeiden- selbst die, die ich in der Woche zuvor noch problemlos gegessen habe. Ich rutsche in eine Spirale hinein, aus der ich nur schwer wieder herauskomme.

Dann sitze ich vor einem Teller Essen- und mein Herz schlägt schneller.

Ich spüre meinen Hals. Ich achte auf jedes kleinste Gefühl in meinem Körper. Ich scanne mich innerlich ab.

Und plötzlich fühlt sich selbst schlucken gefährlich an.

Manchmal merke ich nicht einmal, dass ich tagelang nur drei verschiedene Lebensmittel esse. Erst wenn ich ganz bewusst hinschaue, wird mir klar, wie eingeschränkt mein Alltag wieder geworden ist.

Diese Angst hat sich über einen langen Zeitraum entwickelt. Sie ist immer intensiver geworden- so sehr, dass sie sich irgendwann wie meine Realität angefühlt hat.

Und das ist das Gefährliche daran: Wenn Angst sich wie Wahrheit anfühlt.

Was ich am meisten vermisse, ist diese Selbstverständlichkeit.

Der Wunsch nach einem normalen Leben

Ich wünsche mir oft nichts sehnlicher, als einfach unbeschwert zu leben. Spontan in den Urlaub fahren, einfach essen gehen, ohne vorher alles durchzuplanen, mir an einem Imbiss etwas holen, ohne innere Panik, Tage verbringen, ohne „für alle Fälle“ vorbereitet zu sein.

So wie früher.

Aber ich habe mich über so lange Zeit- meist unbewusst- selbst eingeschränkt, dass diese Ängste tief sitzen.

Wenn sich Angst ausbreitet

Mit der Zeit hat sich diese Angst sogar auf andere Lebensbereiche übertragen.

Ich habe Medikamente vermieden. Bestimmte Orte gemieden. Situationen umgangen, die in mir ein diffuses Gefühl von Kontrollverlust ausgelöst haben.

Orte konnte ich, nachdem mir das bewusst wurde, zum Glück relativ gut wieder angehen. Aber das Thema Lebensmittel ist extrem präsent geblieben. Es ist meine größte Angst.

Im nächste Blogbeitrag, erzähle ich weiter.

-wenn die stille laut wird

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